Unternehmen sind wie Tomaten

– Ein kurzer Impulsbeitrag zur Qualität von Unternehmen

Habt ihr euch schon mal im Winter die Tomaten im Gemüseregal genauer angesehen? Ich frage mich dabei jedes Mal, was das überhaupt soll. Statt knackig rot und aromatisch sind sie höchstens hellorange – und preislich auch nicht gerade ein Schnäppchen. Klar ist der Winter nicht die Saison für Tomaten, aber wie degeneriert ist eigentlich unsere Gesellschaft, dass so viele die Anforderung stellen, rund um das Jahr stets perfekte Tomaten zu bekommen?

Ja, auch ich möchte möglichst aromatische Tomaten. Aber nicht zwangsläufig das ganze Jahr über. Viel lieber hätte ich immer nur die Produkte, die man in der jeweiligen Jahreszeit in einer bestmöglichen Qualität erhält. Dem Händler allein kann man daher nicht die Schuld dafür geben, denn er richtet sich selbstverständlich nach der Nachfrage. Aber gibt es wirklich so viele Menschen, die sich lieber mit einer miesen Qualität zufriedengeben, statt einfach für den Moment darauf zu verzichten und sich eine Alternative zu überlegen? Okay, es existiert noch das Preisargument. Wenn etwas extrem günstig ist, dann kann auch die Qualität etwas geringer ausfallen – solange das Verhältnis passt, meinetwegen. Doch bei Tomaten im Winter ist das definitiv nicht der Fall. Sie sind teuer und schmecken nach nichts.

So ähnlich verhält es sich leider auch bei vielen Unternehmen. Weil einzelne Kunden immer wieder danach fragen, bieten sie Leistungen an, die eigentlich überhaupt nicht ihren Kernkompetenzen entsprechen. Der Aufwand, um diese Leistungen bereitzustellen, ist für das Unternehmen natürlich trotzdem hoch – und ein günstiger Preis somit nicht wirklich möglich. Das Ergebnis ist eine bestenfalls mäßige Qualität zu einem miserablen Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ich persönlich würde mir eine Welt wünschen, in der jeder nur das anbietet, was er auch wirklich gut kann. Als Kunde fühle ich mich deutlich besser aufgehoben, wenn mir jemand ehrlich sagt, dass etwas nicht zu seinem Spezialgebiet gehört und er mir daher XY dafür empfehlen würde.

Wenn ich essen gehe, dann bestelle ich meine Pizza doch auch am liebsten in der Pizzeria meines Vertrauens und nicht in einem Fisch-Restaurant.

 

Es gibt keine eierlegende Wollmilchsau!

Meiner Ansicht nach wäre allen damit geholfen, wenn sich jedes Unternehmen auf seine Kernkompetenz konzentriert und nicht versuchen würde, die eierlegende Wollmilchsau zu spielen. Dann bräuchte auch keiner mehr Angst davor haben, von irgendjemandem abgezockt zu werden, denn er wüsste schließlich, dass er immer nur die bestmögliche Qualität erhält – egal, wo er einkauft.

Damit das funktioniert, bedarf es allerdings bewusster Änderungen auf beiden Seiten des Marktes:

  1. Anbieter: Offen, ehrlich und transparent kommunizieren, was Sache ist. Es tut niemandem weh, wenn ihr zugebt, dass ihr etwas nicht besonders gut könnt und euch lieber auf das konzentriert, worin ihr die Experten seid. Wenn ihr das tut, seid ihr nicht mehr weiterhin nur einer von vielen Möchtegern-Alleskönnern, sondern werdet wirklich zur Anlaufstelle für euer Fachgebiet!
  2. Nachfrager/Kunden: Kommt von dem Gedanken los, immer alles zu jeder Zeit und aus einer Hand haben zu wollen. Es gibt nun mal im echten Leben keine eierlegende Wollmilchsau! Die Zeit, die ihr dort einspart, wo ihr alles aus einer Hand und zu einer miesen Qualität bekommt, die verliert ihr nachher mindestens wieder doppelt, wenn euch die schlechte Leistung bewusst wird – und ihr nun auf die Schnelle eine alternative Lösung finden müsst!

Wenn ich also das nächste Mal im Winter einkaufen gehe und keine Tomaten im Gemüseregal liegen, weil es aktuell einfach keine halbwegs aromatischen Tomaten gibt, dann muss ich den Händler beglückwünschen! Und wehe, ich bekomme mit, dass sich ein Kunde darüber beschwert …