„Like-minded people“ sind einfach die geilsten!

Bukarest, 14Uhr. Ich sitze gerade in meinem Lieblingscafé/Office und lasse die vergangenen Tage Revue passieren. Vor genau zwei Wochen bin ich hier gelandet, um gemeinsam mit neun anderen Selbstständigen gut eine Woche in den Bergen in Transsilvanien zu verbringen.
Wir haben uns dort ein großes Haus gemietet, wollen zusammen leben, arbeiten, uns austauschen und Spaß haben. Wie das so war? Ziemlich geil. Und doch etwas anders als erwartet…

Coworking mit 10 Selbstständigen aus 7 Nationen

Langeweile oder fehlender Gesprächsstoff kommt bei so einer Konstellation von Menschen sicherlich nicht auf! So abgeschieden von der Welt unser Haus auch gelegen haben mag, so hatten wir doch eigentlich die Welt bei uns im Haus versammelt: Zwei Rumänen, drei Deutsche, ein Engländer, ein gebürtiger Franzose mit amerikanischem Pass, eine Brasilianerin, ein Pole sowie ein in Belgien lebender Holländer – und alle mit reichlich Reiseerfahrung aus der ganzen Welt.
Darunter die Inhaberin einer Social Media Agentur, der Betreiber eines Online-Shops, ein WordPress Spezialist, ein virtueller Assistent, ein Steuerberater, eine Business Strategy Consultant, ein Softwareentwickler, ein Website-Verkäufer, ich als Personal USP Coach sowie ein mit 30 in Rente gegangener Schlagzeug-Lehrer – doch dazu später mehr.

Orangenes Internet

So unterschiedlich jeder Einzelne auch sein mag, haben wir alle etwas gemeinsam: Wir arbeiten ausschließlich ortsunabhängig. Das heißt: Wo unser Laptop ist, ist auch unser Büro. Damit das funktioniert, sind wir auf eine zuverlässige Internetverbindung angewiesen. Und wer hätte es gedacht – damit hatten wir natürlich anfänglich unsere Schwierigkeiten.
Unser Vermieter hatte uns versichert, dass alles einwandfrei funktionieren würde. Entsprechend begeistert waren wir dann, wie du dir vielleicht vorstellen kannst, als unsere Verbindung alle paar Minuten abbrach und die Geschwindigkeit kaum ausreichte, um auch nur eine Website zu öffnen.
Das Haus lag mehrere Autostunden von der nächstgrößeren Stadt entfernt – so schnell ließ sich das Problem also auch nicht beheben. Doch davon ließen wir uns selbstverständlich nicht unterkriegen!
Denn am nächsten Tag war jeder Einzelne von uns mit einem 10GB-Datenpaket des größten lokalen Mobilfunkanbieters (Orange) ausgestattet. Wir verwandelten unsere Smartphones in mobile WiFi-Hotspots und schon hatte jeder sein ganz persönliches WLAN-Netz.

Ein typischer Coworking-Tag in den Bergen

Der Tag startete üblicherweise mit einer kalten Dusche. Denn so sehr sich unser Gastgeber auch bemühte, das Heizsystem des Hauses war wohl schwierig in den Griff zu bekommen. Aber was soll’s, kaltes Wasser kurbelt ja bekanntlich den Kreislauf an :).
Nach einem ausgiebigen gemeinsamen Frühstück schnappte sich jeder seinen Laptop, suchte sich ein bequemes Fleckchen und ging für einige Stunden seinem Business nach. Einige arbeiteten an ihrem normalen Tagesgeschäft, andere nutzten die Gelegenheit für eine kleine Auszeit vom normalen Business und konzentrierten sich auf die konzeptionelle Weiterentwicklung des Geschäfts.
Ich selbst hatte mich für einen Mix aus beidem entschieden. Etwa ein Drittel meiner Zeit verbrachte ich mit meinen täglichen Aufgaben als USPMaker, und zwei Drittel widmete ich der Konzeption meines neuen E-Books (Arbeitstitel: „Auf Standards scheißen. Glücklich werden.“)

coworking-people

In den Pausen zwischendurch trafen wir uns nicht selten auf der Terrasse mit wunderschönem Bergblick, spielten eine Runde Tischkicker, Tischtennis oder auch richtigen Fußball. Aber es gab auch reichlich Gelegenheiten, einfach nur die friedliche Natur auf sich wirken zu lassen und sich zu erholen.
Besonders interessant waren für mich die Gespräche, die zwischendurch immer wieder entstanden sind. So tauschte ich mich stundenlang mit der Social Media Strategin über Vermarktungsansätze für eine ihrer Kundinnen in Griechenland aus und zusätzlich entwickelten wir Ideen zur weiteren Steigerung des Bekanntheitsgrades unseres eigenen Business. Mit dem WordPress-Spezialisten entwickelte ich Ansätze für zukünftige Kooperationen und unterstützte den Website-Verkäufer bei der Konzeption seines nächsten Webinars.
Am Abend gab es dann meistens noch einen kleinen Workshop, um zusätzliche Impulse und neue Denkansätze für sich selbst, sein Business oder sein Leben im Allgemeinen zu bekommen. Ein gutes Beispiel waren die Workshops von Chris:

coworking-workshop Du erinnerst dich an den Schlagzeuglehrer, der mit 30 Jahren in Rente gegangen ist? Dahinter steckt eine ziemlich krasse Story! Die Kurzfassung seiner Geschichte hängt mit einer heftigen Krankheit zusammen: Seine Ärzte prognostizierten ihm mit seiner Krankheit eine Lebenserwartung von maximal 30 Jahren. Als Teenager beschloss Chris dann: Ich setze alles daran, jeden Tag über 30 so gut es geht genießen zu können, ohne mich dabei um die Arbeit kümmern zu müssen! Immer wieder wurde er von langen Krankenhausaufenthalten und extrem eingeschränkten Vitalfunktionen zurückgeworfen. Doch im Endeffekt hat er dieses Ziel erreicht. Aus der Arbeit als einzelner Schlagzeuglehrer hat er eine kleine Musikschule aufgebaut, die sich nun selbst tragen kann, ohne dass er persönlich Unterricht geben muss. Mit 30 Jahren hat Chris sein Vorhaben in die Tat umgesetzt und aufgehört zu arbeiten. Natürlich bringt ihm sein Business keine Millionen ein, aber es reicht immerhin soweit aus, dass er davon leben kann.
Seiner Gesundheit ging es dieses Jahr extrem miserabel. So glich es fast einem Wunder, dass es Chris pünktlich zu unserem Treffen immer besser ging und er tatsächlich teilnehmen konnte. In kleinen Workshops erzählte er uns von seinen krassen Erfahrungen und inspirierte uns dazu nochmals neu zu bewerten, was uns im Leben wirklich wichtig ist und wie wir das Beste aus uns herausholen!

Licht aus!

Gott sei Dank nicht so, wie du jetzt denkst, denn ich rede wirklich vom Strom. Was machen zehn Digitale Nomaden, wenn am Abend der Strom ausfällt? Sie lassen sich die Stimmung nicht vermiesen und versammeln sich, mal ganz analog, mit verschiedenen Käse- und Weinsorten am Tisch und geben Geschichten zum Besten! Leider hielt der Stromausfall auch noch den ganzen nächsten Tag an, sodass wir wieder etwas improvisieren mussten.
Ein Teil versuchte sich daher, mit Laptop-Akku, PowerBanks und Notstromaggregat im Geschäftsleben zu halten, während einige andere (mich eingeschlossen) einen Offline-Tag beschlossen. Ein bisschen Sightseeing im berüchtigten Schloss von Graf Dracula, wandern, Bogenschießen und Axtwerfen sorgten für eine gelungene Abwechslung und beste Stimmung.

Mittendrin statt nur dabei

Mittlerweile war noch ein weiterer (angehender) Digital Nomade eingetroffen, der für die restlichen Tage eine Mini-Dokumentation über unseren Lifestyle filmte. Selbstverständlich ließ auch ich mich gerne für sein Video interviewen. Edit: Mittlerweile ist das Video fertiggestellt und wirklich klasse geworden! Könnt ihr hier anschauen: Episode2 – The Life of Digital Nomads.

Und so alles in allem?

Ein von Rico (@ricoriconic) gepostetes Foto am

Die Workation ist jetzt schon wieder einige Tage her. Viele von uns sind noch in Bukarest und teilen sich Unterkünfte, treffen sich in Cafés zum Arbeiten oder einfach nur abends zum Ausgehen. Auch wenn ich den Großteil der Leute schon vorher kannte, habe ich sie jetzt doch noch mal ganz anders kennengelernt – und sowohl auf privater als auch auf geschäftlicher Ebene von unserer Zeit in den Bergen profitiert! Die Umstände waren zwar etwas anders als erwartet, doch haben sie uns auch mal wieder vor Augen geführt, wie viele Dinge wir einfach als gegeben hinnehmen (Internet, Strom, Warmwasser), ohne groß darüber nachzudenken. Es war schön zu sehen, wie wir es geschafft haben, trotz dieser Umstände eine grandiose Zeit zu haben. Vielleicht sollten wir uns dies öfter mal vor Augen führen und uns glücklich schätzen für all das, was wir haben!

Doch das mit Abstand Beste für mich war, wieder unter gleichgesinnten Menschen zu sein. Menschen, die einen Lifestyle abseits der Norm leben, einen breiten Erfahrungsschatz in der ganzen Welt gesammelt haben und weiterhin sammeln und die gleichzeitig ein eigenes Business aufziehen oder bereits erfolgreich betreiben. All das ist für mich absolut wertvoll, bereichernd und motivierend.
An dieser Stelle auch noch ein herzliches Dankeschön an Anca und Adrian von OfficeToTravel, die das Ganze überhaupt erst ermöglicht haben! Multumesc 🙂